Das kann man
so pauschal nicht sagen, es kommt auf die Garnstärke und die
Schwierigkeit des Musters an. An den nebenstehenden Proben wurde exakt
eine Stunde geklöppelt. Sie sehen, wie unterschiedlich groß
und repräsentativ das Ergebnis sein kann.
2. Was kostet das?
Schwere Frage. Was wollten Sie bei mir z.B. zugrunde
legen? Den Lohn einer indischen Wanderarbeiterin oder ein unserer
Gesellschaft angemessenes Honorar (z.B. den Stundenlohn eines
Klempners)? Fazit: die wenigsten Klöpplerinnen verkaufen ihre
Spitzen, denn keiner möchte das bezahlen.
3. Aber heute klöppelt doch so gut wie niemand
mehr, das ist doch eine aussterbende Kunst?
Irrtum, der deutsche Klöppelverband, in dem ja
nur die engagierteren Klöpplerinnen organisiert sind, hat zur
Zeit ca. 4000 Mitglieder. Wenn Sie bedenken, dass ja auch nicht alle
Radfahrer im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub
sind……, die Dunkelziffer ist hoch. Es gibt also
viel mehr KlöpplerInnen, als Sie vielleicht glauben, aber das
sind in der Regel angenehme, ruhige Zeitgenossen, die weder optisch
(durch grün gefärbte Haare) noch durch ihr Verhalten
auffallen. Auch Ihre Nachbarin könnte eine sein. Falls Sie
sich zu dem jährlich stattfindenden Kongress des Deutschen
Klöppelverbandes begeben, können Sie ca.3000
KlöpplerInnen dort sehen.
(PS. Der Kongress findet stets am Wochenende nach Ostern statt, Tel.Nr.
siehe Frage 11)
4. Sagen Sie mal, wird man dabei nicht total
nervös?
Wahlweise werden wir auch als banane, verrückt
oder gaga bezeichnet.
Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Wir empfinden die
Mischung aus Konzentration auf die Technik gemeinsam mit dem
rhythmischen manuellen Tun als absolute Entspannung. Da diese Mischung
auch (ähnlich wie beim Klavierspielen mit Notenlesen) die
gleichzeitige Aktivität beider Gehirnhälften
erforderlich macht, glauben auch manche, dass dies
lebensverlängernd wirkt. Wenn Sie uns begegnen, werden Sie
feststellen, dass es sich bei KlöpplerInnen in der Regel um
sehr freundliche und ausgeglichene Naturen handelt.
5. Können Sie die
Klöppel an den unterschiedlichen Farben auseinanderhalten?
Für die Anfänger wickeln wir schon mal
verschiedenfarbige Klöppel, damit es leichter ist. Aber bei
den Mengen an Klöppeln, die ich für
gewöhnlich so bewege (ca. 100 bis 400 Paar = 200 bis 800
Stk.), ist es leichter, das System zu durchschauen, als die
Klöppel zu markieren. Beim Klöppeln folgen wir einer
technischen Zeichnung, die uns ähnlich einem elektronischen
Schaltplan oder Noten durch die Arbeit führt. Das praktische
hierbei ist, dass diese Zeichnungen unabhängig von der Sprache
weltweit verstanden werden, auch von Japanerinnen, eben wie Noten. Im
nächsten Rahmen sehen Sie eine solche technische Zeichnung.
6. Das könnte ich nie, da braucht man doch
total gute Augen für?
Ein gutes Sehvermögen ist immer eine prima
Angelegenheit. Aber wir leben im Jahr 2008, nicht 1806. Wozu gibt es
Lupen, Optiker und gute Lampen?
7. Knoten Sie da die Fäden um die Nadeln?
Nein, die Fäden werden nur gekreuzt, der linke
über den rechten
Oder gedreht, der rechte über den linken,
wobei stets zwei Paare (= 4 Klöppel)
zusammenarbeiten.
Die Nadeln fixieren dieses Werk.
Siehe auch die Antwort zur nächsten Frage
8. Meine Oma machte auch Occhi, das ist doch so
ähnlich, oder?
Weit gefehlt. Das Klöppeln ist rein technisch
gesehen Gewebebildung durch Fadenverdrehung und somit dem Weben, Sprang
und Filzen verwandt. (Occhi = Schiffchenspitze gehört zu den
Knotentechniken)
9. Wo und wann wurde die Klöppelspitze erfunden?
Das lässt sich nicht so konkret beantworten. Um
die Wende vom 15. zum 16 Jahrhundert findet sie erste
Erwähnungen in Dokumenten. Einiges spricht dafür,
dass ihre Wiege in Norditalien oder in Flandern stand. Aus der Historie
liegt aber (noch) vieles im Dunkeln.
Im Verlauf des 16. Jahrhunderts setzt dann eine
größere Verbreitung ein. So ist z.B. historisch
belegt, dass im Erzgebirge Barbara Uttmann (auch „Uthmann"
geschrieben) zur Mitte des 16.Jahrhunderts einen florierenden Handel
mit Klöppelspitzen betrieb.
Es bildeten sich eine Reihe von Klöppelzentren
in ganz Europa, die dann über die Jahrhunderte ihre speziellen
Spitzen entwickelten und immer wieder der jeweils aktuellen Mode
anpassten. In ihren Blütezeiten wurden Spitzen (Neben der
Klöppelspitze gibt es als sog. echte Spitze auch die
Nadelspitze) ähnlich angesehen und gehandelt wie heute noch
Gold und Edelsteine. Bisweilen war für die wertvollsten
Stücke der Gegenwert von Immobilien anzusetzen. Man denke nur
an Portraitgemälde aus Barock und Rokoko und welch prunkvolle
Spitzen darauf zu sehen sind...
Die Spitzen-Hochburgen waren in Frankreich, Belgien und
England zu finden, aber in so gut wie allen europäischen
Ländern gab es Orte, an denen geklöppelt wurde.
Der Niedergang der Klöppelspitze setzte ein,
als um die Mitte des 19.Jahrhunderts in England Maschinen erfunden und
perfektioniert wurden, die Spitzen sehr viel schneller und damit
preiswerter herstellen konnten. Damit konnten die ohnehin schon
schlecht bezahlten Klöpplerinnen dauerhaft nicht mehr
mithalten. Es gab zwar noch einige Ansätze, neue Spitzenarten
zu entwickeln, die auch per Hand schneller gearbeitet werden konnten,
aber dies blieb nur noch ein kurzes Aufbäumen.
(Dieser Text wurde
mir von Ute Schmitz zur Verfügung gestellt.)
10. Ich hab das schon mal gesehen, aber das sah
irgendwie anders aus