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10 Fragen

 

 

Liebe Klöpplerinnen:

Hier kommt der Text, den sich viele bei meiner Ausstellung im Textilmuseum in Bocholt gewünscht hatten. Ich habe den Text so verfasst, dass er für jeden passt. Was Sie nun noch tun müssten: Sie müssten noch zwei Proben klöppeln. Eine mit ganz feinem Garn (z.B. eine eg. Baumwolle) und eine mit ganz grobem (z.B. mit Leinen 16/2) und diese neben der Frage 1 befestigen. Eine kleine Zeichnung neben Frage 7 wäre auch nicht schlecht. Ich hoffe, dass Ihnen so viele nervige Fragen erspart bleiben…

Ihre Ulrike Voelcker

 

 

Die 11 meistgestellten Fragen an Klöpplerinnen

 

1. Wie lange dauert das?

Unsere Antwort :

Das kann man so pauschal nicht sagen, es kommt auf die Garnstärke und die Schwierigkeit des Musters an. An den nebenstehenden Proben wurde exakt eine Stunde geklöppelt. Sie sehen, wie unterschiedlich groß und repräsentativ das Ergebnis sein kann.

2. Was kostet das?

Schwere Frage. Was wollten Sie bei mir z.B. zugrunde legen? Den Lohn einer indischen Wanderarbeiterin oder ein unserer Gesellschaft angemessenes Honorar (z.B. den Stundenlohn eines Klempners)? Fazit: die wenigsten Klöpplerinnen verkaufen ihre Spitzen, denn keiner möchte das bezahlen.

 

3. Aber heute klöppelt doch so gut wie niemand mehr, das ist doch eine aussterbende Kunst?

Irrtum, der deutsche Klöppelverband, in dem ja nur die engagierteren Klöpplerinnen organisiert sind, hat zur Zeit ca. 4000 Mitglieder. Wenn Sie bedenken, dass ja auch nicht alle Radfahrer im Allgemeinen Deutschen Fahrradclub sind……, die Dunkelziffer ist hoch. Es gibt also viel mehr KlöpplerInnen, als Sie vielleicht glauben, aber das sind in der Regel angenehme, ruhige Zeitgenossen, die weder optisch (durch grün gefärbte Haare) noch durch ihr Verhalten auffallen. Auch Ihre Nachbarin könnte eine sein. Falls Sie sich zu dem jährlich stattfindenden Kongress des Deutschen Klöppelverbandes begeben, können Sie ca.3000 KlöpplerInnen dort sehen.
(PS. Der Kongress findet stets am Wochenende nach Ostern statt, Tel.Nr. siehe Frage 11)

4. Sagen Sie mal, wird man dabei nicht total nervös?

Wahlweise werden wir auch als banane, verrückt oder gaga bezeichnet.

Nein. Das Gegenteil ist der Fall. Wir empfinden die Mischung aus Konzentration auf die Technik gemeinsam mit dem rhythmischen manuellen Tun als absolute Entspannung. Da diese Mischung auch (ähnlich wie beim Klavierspielen mit Notenlesen) die gleichzeitige Aktivität beider Gehirnhälften erforderlich macht, glauben auch manche, dass dies lebensverlängernd wirkt. Wenn Sie uns begegnen, werden Sie feststellen, dass es sich bei KlöpplerInnen in der Regel um sehr freundliche und ausgeglichene Naturen handelt.

 

5. Können Sie die Klöppel an den unterschiedlichen Farben auseinanderhalten?

Für die Anfänger wickeln wir schon mal verschiedenfarbige Klöppel, damit es leichter ist. Aber bei den Mengen an Klöppeln, die ich für gewöhnlich so bewege (ca. 100 bis 400 Paar = 200 bis 800 Stk.), ist es leichter, das System zu durchschauen, als die Klöppel zu markieren. Beim Klöppeln folgen wir einer technischen Zeichnung, die uns ähnlich einem elektronischen Schaltplan oder Noten durch die Arbeit führt. Das praktische hierbei ist, dass diese Zeichnungen unabhängig von der Sprache weltweit verstanden werden, auch von Japanerinnen, eben wie Noten. Im nächsten Rahmen sehen Sie eine solche technische Zeichnung.

 

6. Das könnte ich nie, da braucht man doch total gute Augen für?

Ein gutes Sehvermögen ist immer eine prima Angelegenheit. Aber wir leben im Jahr 2008, nicht 1806. Wozu gibt es Lupen, Optiker und gute Lampen?

 

7. Knoten Sie da die Fäden um die Nadeln?

Nein, die Fäden werden nur gekreuzt, der linke über den rechten

Oder gedreht, der rechte über den linken,

wobei stets zwei Paare (= 4 Klöppel) zusammenarbeiten.

Die Nadeln fixieren dieses Werk.

Siehe auch die Antwort zur nächsten Frage

  

8. Meine Oma machte auch Occhi, das ist doch so ähnlich, oder?

Weit gefehlt. Das Klöppeln ist rein technisch gesehen Gewebebildung durch Fadenverdrehung und somit dem Weben, Sprang und Filzen verwandt. (Occhi = Schiffchenspitze gehört zu den Knotentechniken)

 

9. Wo und wann wurde die Klöppelspitze erfunden?

Das lässt sich nicht so konkret beantworten. Um die Wende vom 15. zum 16 Jahrhundert findet sie erste Erwähnungen in Dokumenten. Einiges spricht dafür, dass ihre Wiege in Norditalien oder in Flandern stand. Aus der Historie liegt aber (noch) vieles im Dunkeln.

Im Verlauf des 16. Jahrhunderts setzt dann eine größere Verbreitung ein. So ist z.B. historisch belegt, dass im Erzgebirge Barbara Uttmann (auch „Uthmann" geschrieben) zur Mitte des 16.Jahrhunderts einen florierenden Handel mit Klöppelspitzen betrieb.

Es bildeten sich eine Reihe von Klöppelzentren in ganz Europa, die dann über die Jahrhunderte ihre speziellen Spitzen entwickelten und immer wieder der jeweils aktuellen Mode anpassten. In ihren Blütezeiten wurden Spitzen (Neben der Klöppelspitze gibt es als sog. echte Spitze auch die Nadelspitze) ähnlich angesehen und gehandelt wie heute noch Gold und Edelsteine. Bisweilen war für die wertvollsten Stücke der Gegenwert von Immobilien anzusetzen. Man denke nur an Portraitgemälde aus Barock und Rokoko und welch prunkvolle Spitzen darauf zu sehen sind...

Die Spitzen-Hochburgen waren in Frankreich, Belgien und England zu finden, aber in so gut wie allen europäischen Ländern gab es Orte, an denen geklöppelt wurde.

Der Niedergang der Klöppelspitze setzte ein, als um die Mitte des 19.Jahrhunderts in England Maschinen erfunden und perfektioniert wurden, die Spitzen sehr viel schneller und damit preiswerter herstellen konnten. Damit konnten die ohnehin schon schlecht bezahlten Klöpplerinnen dauerhaft nicht mehr mithalten. Es gab zwar noch einige Ansätze, neue Spitzenarten zu entwickeln, die auch per Hand schneller gearbeitet werden konnten, aber dies blieb nur noch ein kurzes Aufbäumen.

(Dieser Text wurde mir von Ute Schmitz zur Verfügung gestellt.)

 

10. Ich hab das schon mal gesehen, aber das sah irgendwie anders aus

In Deutschland verbreitet sind zwei Arten von Klöppelkissen, die Rolle mit den Hülsenklöppeln und das Flachkissen. Beides ist „richtiges" Klöppeln. In anderen Ländern gibt es aber noch weitere Arten von Klöppelkissen und Klöppeln.

 

11. Aber heute kann man das Klöppeln doch nirgendwo mehr lernen?

Der Deutsche Klöppelverband hat eine nach Postleitzahlen geordnete Liste aller examinierten KlöppellehrerInnen (Tel.: 02451/49985). Es gibt garantiert eine in Ihrer direkten Umgebung.

 

Text von Ulrike Voelcker, Frage 9 Ute Schmitz